Aktueller Blick aus dem Fenster

Aus aktuellem Anlass möchte ich gerne kurz etwas zur aktuellen Lage in Istanbul schreiben. Einige haben sicherlich gestern und heute in den Nachrichten von Protesten und Krawallen in Istanbul und der Türkei gehört. Ja, es stimmt leider, hier ist einiges los. Aber nein, es gab nicht 19 Todesopfer in Istanbul. Diese Zahl schwankt zwischen 14-19 und bezieht sich auf die Demonstrationen und gewaltsamen Zusammenstöße im ganzen Land. (Was es nicht weniger schlimm macht!)

Die Parteien der Unruhen zu definieren ist nicht so einfach. Es gibt ganz normale Demonstrationen, in denen zum Beispiel ein paar Frauen friedlich mit Schildern auf die Situation in Korbane aufmerksam machen wollen und ein Eingreifen der Türkei fordern. Dann kann es passieren, dass sich diesen friedlichen Demos gewaltbereite Linke anschließen, die nicht nur gegen die aktuelle Syrienpolitik der Türkei, sondern generell gegen die Regierung protestieren. Ergebnis ist, dass die Polizei ebenfalls mit Gewalt antwortet. Ich habe inzwischen das Gefühl, dass nach zwei Tagen Protesten (es hat hier in Istanbul am Montagabend angefangen), die Polizei auf jede größere Menschenansammlungen gewaltbereit reagiert. Tränengas und Wasserwerfer sind hier zurzeit definitiv durchgehend einsatzbereit.

Es ist aber nicht immer Polizei gegen zivile Bevölkerung. In anderen Teilen der Türkei sind es größtenteils kurdische Protestierende, die von radikalen Islamisten unterschiedlichster Gruppierungen (je nach Region) attackiert werden.  Es soll auch tödliche Attacken von kurdischen Islamisten gegen „normale“ Kurden gegeben haben. Normal ist das nicht mehr, war es natürlich auch nie.

(http://www.sueddeutsche.de/politik/kurdische-proteste-koban-ist-ueberall-1.2164241#2)

Hier ein Bild von vor 1 1/2 Stunden.

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Ich saß mit zwei Freundinnen in unserem Stammcafé in Kadiköy und wir haben Tee getrunken, als kurz nacheinander zwei Polizeitrupps in voller Kampfmontur an uns vorbeigingen (Schlagstöcke, Gasmasken, Schutzschilder, ...). Als wir sahen, dass der zweite Trupp gerade dabei war, sich langsam die Gasmasken aufzusetzen, war die Rechnung schnell geordert. Auf dem Weg nach Hause sahen wir dann die beiden Polizeitruppen geballt in unserem Weg stehen. Ca. 50m weiter stand eine weitere Gruppe Menschen, mehr konnten wir nicht erkennen und dann sind wir einen anderen Weg gegangen. Zu dem Zeitpunkt war noch alles ruhig, aber ich weiß nicht, was mich morgen in den Nachrichten erwartet.

Insgesamt würde ich sagen, dass es nicht brenzlig ist, sich durch Istanbul zu bewegen. Man sollte größere Menschenansammlungen meiden und die Orte, an denen diese sich bevorzugt treffen, sind auch allgemein bekannt. Wenn ich mir die Nachrichten aus Hamburg und Celle anhöre, scheint es dort auch nicht ruhiger zuzugehen.

(http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/5514790/massenschlaegerei-zwischen-muslimen-und-jesiden-in-celle.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/proteste-gegen-is-messerstecherei-zwischen-kurden-und-islamisten-in-hamburg-1.2164057)

Ich möchte damit nur sagen, dass meiner Meinung nach keine übermäßigen Sorge um unsere persönliche Sicherheit angebracht ist. Wir alle halten Augen und Ohren offen und sind vorsichtig, doch in Hamburg würde es mir im Moment wohl ähnlich gehen.

Natürlich ist dies ein kritisches Thema, jemand anders wird hierzu eine andere Meinung haben. Fragen und Kommentare sind mir daher hier besonders lieb! (Den politischen Aspekt habe ich hier mit Absicht außen vor gelassen, das würde wohl den Rahmen sprengen.)

2 Kommentare 8.10.14 21:20, kommentieren

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Abschied und Abflug

Am 02.09. war es so weit, das Abenteuer Auslandssemester sollte beginnen: der Start meines Fliegers nach Istanbul, Flughafen Sabhia Gökcen war für um 14:25 vorgesehen. Und abenteuerlich sollte auch gleich der Beginn werden...

Hier erst mal die Einleitung:

Mami, Papi und Miriam haben mich zum Flughafen gebracht. Dort war vor meinem Schalter natürlich eine Schlange, soweit kein Problem. Nur die Mitarbeiter am Schalter schienen eher der türkischen Mentalität nahe zu sein, von Effizienz oder Schnelligkeit konnte hier nämlich definitiv keine Rede sein. Natürlich gab es auch bei fast jedem Fluggast irgendwelche Probleme, bei denen telefoniert, umgepackt, dazugebucht oder diskutiert werden musste. 

Wir hatten großzügig geplant und zusätzlich hatte mein Flug schon ca. eine halbe Stunde Verspätung (Miriam, Mami bitte korrigiert mich wenn ich mich nicht mehr an die genauen Zeiträume erinnere! ), von daher war eine längere Wartezeit nicht so das Problem. Dass ca. 10-15 Personen vor mir in der Schlange allerdings eine Wartezeit von einer Stunde bedeuteten, das hätte nun wirklich nicht sein müssen!!! Es war wirklich eine Ewigkeit, bis sich endlich was tat beim Abstand zwischen dem Schalter und mir und meinem Gepäck.

Langsam nähern wir uns dem eigentlichen Plot:

Als nur noch zwei Fluggäste vor mir waren, konnte ich deren Problematik mit anhören/beobachten: ihr Gepäck war zu schwer, sie mussten vom Koffer ins Handgepäck umpacken! Als ich das sah, dachte ich noch großspurig bei mir: "Ein Glück, dass ich extra 5 Kg dazu gebucht habe, also 25 Kg mitnehmen durfte. Zu Hause beim wiegen war ich auch nur bei 24 Kg, also alles kein Problem." Dann war ich dran, Koffer entspannt auf das Rollband gestellt, befriedigt die Anzeige von unter 25 Kg gesehen, geschockt die Aussage des Schalterangestellten entgegengenommen: "Der Koffer ist zu schwer!"

*Dramatische Pause*

Wie jetzt? Das kann doch nicht sein?! Meine Antwort also: "Nein, ich habe 5 Kg dazu gebucht." Diese Dazubuchung wurde ihm leider auf dem Display nicht angezeigt, davon konnte ich mich überzeugen. Ich hatte auch leider keine Buchungsbestätigung ausgedruckt bei mir. Denn eine solche hatte ich auch per Mail nie bekommen. Also durchforstete ich hektisch meine Emails auf dem Handy ("Hoch leben Smartphones!" dachte ich in der Situation mehrfach) auf der Suche nach einer Bestätigung von Pegasus Airlines, dass ich die 5 Kg dazugebucht habe, -erfolglos.

Ich hatte keine richtige Buchungsbestätigung oder Rechnung bekommen. Deshalb hatte ich auch nichts ausgdruckt, denn die Reservierung auszudrucken hätte keinen Sinn gemacht, mich in dieser Situation auch nicht weitergebracht. Für den Flug vorgesehen war ich aber schon, also fehlte einfach nur irgendwas. Oh je, was machen? Panisch den Mann fragen, was man machen kann. Er sagte, dass bei einem Kilo Übergewicht er noch ein Auge hätte zu drücken können (gut zu wissen ) aber bei 4 Kg ginge das nicht. Ob ich dann das Übergepäck bezahlen könne? Er war der Meinung ja, aber das ginge nicht bei ihm. Er wusste auch nicht genau, wieviel das Kilo Übergepäck kostet, seiner Schätzung nach ca. 20 € pro Kilo (also 80 €!). Ich hatte aber am Abend vorher beim Durchforsten der Handgepäck-Bedingungen noch gelesen, dass Übergepäck am Flughafen dazubuchen 6€ kostet, teilte ihm dies auch mit und auf Nachfrage bei seiner Kollegin, stimmte er mir auch zu. Vorgehensweise: Ich sollte mit meinem Ticket, auf dem er dann "1x Ü-Gepäck 24€" schrieb zu einem Dienstleister am Flughafen gehen und dort das Übergepäck bezahlen.

Also auf, quer durch den Flughafen (naja, ganz so quer dann auch wieder nicht). Während des ganzen Weges suchte ich immer noch verzweifelt und verständnislos mein Handy durch. Ich wusste genau, dass ich für das Übergepäck bezahlt hatte. Wie konnte das nun weg sein?!! Am anderen Schalter angekommen, bezahlte ich, erklärte aber auch der Frau dort mein Problem. Sie sagte aber auch, dass sie ohne einen Nachweis in Papierform nichts machen könne.

Irgendwann viel mir ein, dass es auf der Website von Pegasus einen Mitgliederbereich gab... Also schnell mit der Reservierungsnummer eingeloggt und da stand eeeeeendlich der Nachweis, dass ich 5 Kg extra gebucht habe. -Aber ich hatte ja schon bezahlt und die Quittung dafür bekommen und alles. Trotzdem auf dem Absatz kehrt gemacht und der Frau auf dem Handy die Übersicht über meine Leistungen gezeigt. Ob ich das irgendwie ausdrucken könnte? Hm, am Flughafen drucken?! Dann bot sie mir an, dass ich ihr die Datei vielleicht per Mail schicken könnte. Gesagt getan, doch leider war das auf die schnelle aufgerufene keine Datei sondern eine Website. Den Link konnte ich verschicken, sie diesen allerdings nicht öffnen (was auch Sinn macht, das war ja immerhin ein geschlossener Mitgliederbereich auf der Website). Sie kam von ihrem Computer zurück mit der Nachricht, sie könne den Link nicht sehen. Aber sie hätte ja den Nachweis auf meinem Handy gesehen, und wenn jemand fragt, dann könnte ich denen ja dasselbe zeigen wie ihr. Sprachs und zahlte mir meine 24€ zurück! Gibts sowas?! *Puh* Das war noch mal gut gegangen!!! Hier ein riesengroßes Dankeschön an Miriam, die die ganze Zeit bei mir war und alle möglichen Sachen gehalten hat, die ich ihr gegeben habe, und einfach die ganze Zeit ruhig war. Das war klasse!!! :-* 

Merke für den Rückflug (den ich schon gebucht habe, ebenfalls mit extra Gepäck): Vorher nochmal in den Mitgliederbereich gehen, dort das Übergepäck irgendwie bestätigen (muss ich mir dann nochmal angucken, was ich da noch machen muss) und die Rechnung oder Buchung ausdrucken, um auf alle Fälle was in der Hand zu haben, für den Fall der Fälle!!

Nun war es Zeit Tschüss zu sagen und durch die Sicherheitskontrolle zu gehen. Hier lief alles glatt und ich war absolut noch in time im Wartebereich. Und dort wartete ich. Und wartete. Und wartete.... Die Boarding Time auf dem Ticket wurde nämlich bei Ausstellung nicht an die zu dem Zeitpunkt schon bekannte Verspätung angepasst. Da ich trotzdem nichts mehr riskieren wollte, bin ich gleich schon zum Boarding Bereich gegangen und wartete, bis mit etwas über einer Stunde Verspätung das Flugzeug dann zum Rollfeld fuhr und los gings! Istanbul, here I come (Natürlich bin ich schon längst hier... )

 

 

Diese war der zweite Streich und der dritte folgt... Nicht sogleich, aber ganz bald!  

1 Kommentar 8.10.14 01:22, kommentieren